Steinbergen gehörte kirchlich
zunächst zum Archidiakonat Osen (Kirchosen) bei Hameln. Gegen
Ende des 12. Jahrhunderts kam es an das Bistum Minden als Teil
einer Schenkung des Edlen Mirabilis, der damals auf dem Bruchhofe
bei Stadthagen wohnte. Gegen Mitte des 13. Jahrhunderts ist es
im Besitz der Grafen von Schaumburg. Diese setzten zur Wahrung
ihrer landesherrlichen Rechte Freigrafen ein, die im Namen des
Landesfürsten Recht sprachen. Sie wohnten wahrscheinlich
auf einem herrschaftlichen Hofe (Burghofe) im Dorfe oder später
vielleicht auf der nahen Arensburg. Einer dieser Freigrafen war
Johann von Stenburch.
Der Name Steinbergen hat im Laufe der Jahre manche
Wandlung erfahren von Stenburch, Stenborg, Stenborch, Stenberga,
Steinberg bis Steinbergen.
Erst im Mittelalter beginnen die ersten Aufzeichnungen,
die in der Steinberger Kirchenchronik gesammelt sind. Sie stammen
aus der Feder des Pfarrers Ernst Nothold, der hier von 1599-1658
als Geistlicher tätig war. Während des 30jährigen
Krieges sind frühere Kirchenbücher und sonstige Schriftstücke
verlorengegangen. Dieser Krieg hat auch Steinbergen nicht verschont:
Als 1626 die Truppen des bayerischen Generals Gronsfeld die Grafschaft
besetzten, sollte auch Steinbergen die Schrecken des Krieges kennenlernen.
Eine Horde dieser ungezügelten Soldateska drang ins Dorf
ein, brach in die Häuser ein und plünderte nach Kriegsbrauch.
1629 plünderten die Truppen Gronsfelds zum
zweiten Male das Dorf.
1633 stieg die Not aus höchste, denn nun
wurde die hiesige Gegend auch Kriegsschauplatz, als es zwischen
den Kaiserlichen und den Schweden bei Hess.-Oldendorf zu einer
Entscheidungsschlacht kam. An diesen Kampf erinnert noch heute
die sogenannte „Schwedenschanze“ östlich von
Steinbergen.
1637 und 1638 sah es noch traurig aus. Der Ackerbau
scheint überhaupt ganz eingestellt worden zu sein. Denn die
Bevölkerung hatte keinen Mut zum Arbeiten mehr, da die Zeiten
immer noch sehr unsicher waren und niemand wusste, wer das Gesäte
und Gepflanzte einmal ernten würde. Das Elend hatte seinen
höchsten Stand erreicht. Die meisten Häuser lagen in
Schutt und Asche, Ställe und Scheunen waren leer. Von 1639
ab ging es allmählich wieder aufwärts. Die 1634 auf
Anordnung des Konsistoriums von Bückeburg in Steinbergen
eingerichtete Schule kam langsam in den Fluß, denn jetzt
wagten es doch einige beherzte Eltern aus den Steinberger Filialdörfern
ihre Kinder ab und zu herzuschicken.
Um 1650 zählte Steinbergen nach den Aufzeichnungen
Notholds 6 Vollmeier und 8 Halbmeier. Um 1756 zählte Steinbergen
bereits Wieder 6 Vollmeier, 3 Halbmeier, 5 Köther, 28 Kleinköther
und „Beybauern“. Summe: 42 Feuerstätten.
Nach den Aufzeichnungen von Pastor Stille (1793-1806
in St.) zählte das Dorf um 1804 insgesamt 48 Häuser.
Es wohnten damals hier 6 Vollmeier (ihre Zahl ist also die gleiche
geblieben), 3 Großköther, 12 Kleinköther und 15
Brinkbesitzer (vielleicht die früheren „Beybauern“).
Am 3. Februar des Jahres 1818 brach unverhofft
Feuer im hölzernen Pfarrhaus aus, das mit Windeseile verbrannte.
Auch auf das anstoßende Viehhaus griff das Feuer über
und es wurde ebenfalls völlig eingeäschert. Die Ursache
des Brandes konnte nicht mit Sicherheit festgestellt werden. Damals
(1818) wurde dann das neue Pfarrhaus (Anm. das alte Fachwerkhaus
in der Kirchstraße) erbaut.
Mit dem Abbruch der alten Kirche begann der Neubau
des jetzigen Gotteshauses St. Agnes. Darüber macht die Chronik
die nachstehenden Mitteilungen: „Da die alte Kirche sehr
baufällig war, so wurde mit Zustimmung der Gemeinde der Bau
einer neuen Kirche beschlossen. Am 15. Mai 1888 wurde zu dieser
Kirche feierlich der Grundstein gelegt. Die Einweihungsfeier fand
dann am Pfingstsonntag, dem 25. Mai 1890 statt.“
Sehr schmerzliche Verluste brachte der 1. Weltkrieg
von 1914-1918. Unmittelbar im Kriege bis zum 29. Oktober 1918
die Zahl von 32 Gefallenen, wozu noch 2 an den erlittenen Verwundungen
Gestorbene kamen, so dass das Dorf Steinbergen insgesamt 34 Einwohner
verloren hat.
Am 5. April 1945, zum Ende des 2. Weltkrieges,
fielen mehrere Granaten in das Dorf, ohne allerdings Schaden anzurichten.
Im Turm der Steinberger Kirche war ein Offizier mit zwei Soldaten
als Beobachtungsposten eingezogen. Diese Tatsache musste wohl
die amerikanische Artillerie erkannt haben, denn sie nahm den
Turm aufs Korn. Gleich beim ersten Schuß wurde der Offizier
getroffen. Von seinen Kameraden wurde er unter Lebensgefahr über
die steilen Treppen in die Kirche gebracht und von dort später
auf die Hofstelle Nr. 16. Nach dem ersten Volltreffer erhielt
der Turm noch sieben weitere, das Kirchendach jedoch nur einen.
In der Nacht vom 10. zum 11. April 1945 nahm
der Artilleriebeschuß des Dorfes Steinbergen und der nördlichen
Berge an Heftigkeit zu. Diese Nacht war die schlimmste für
Steinbergen. An vielen Stellen des Dorfes standen Häuser
in Flammen. Der Wald wurde mit Phosphorgranaten beschossen und
brannte an vielen Stellen. In Steinbergen brannten vollständig
nieder der Hof Steinmeier Nr. 2, das Haus Gottschalk Nr. 15 und
das Hotel zur Linde. Das Haus Nonnenberg Nr. 132 brannte vollständig
aus. Im Laufe des vormittags des 11. April besetzten von Westen
und Süden her amerikanische Truppen das Dorf.
Nach 1945 wurde Steinbergen durch Zuzüge
von Flüchtlingen flächenmäßig größer.
Es Entstand in den 50er Jahren die „Siedlung“ (Messingbergstraße/Bergstraße),
in den 60er Jahren das Baugebiet Gartenstraße, in den 70er
Jahren der Bereich Kehlbrink und in den 80er Jahren der Bereich
Feldstraße/Fuchsort. Viele Baulücken wurden in den
90er Jahren geschlossen. Nach der Zeit des 2. Weltkrieges ging
es in Steinbergen wirtschaftlich bergauf: Durch den Tourismus
nahm die Bekanntheit Steinbergens zu und ebenso wie die Gäste
kamen, entstanden Hotels und Pensionen. Ein gut angelegtes Wandernetz,
ein Freibad und Tanz sowie andere Vergnügungen sorgten für
Kurzweil bei den Erholungssuchenden. In den 60er Jahren war Steinbergen
als Luftkurort nicht unbekannt. Mit dem Bau der Bundesstraße
Ende der 60er Jahre nahm diese Entwicklung ab. Steinbergen war
bald kein Luftkurort mehr und die Kurgäste blieben aus. Dennoch
hat Steinbergen noch heute eine exzellent ausgebildete Infrastruktur
und einiges zu bieten.
Quelle aus Hugo und Fauth. Bearbeitet von L. Schröder mit
Zusätzen von T. Fischbeck.
Luftbild Steinbergen von 2001
|